Role Model Februar 2026

Aktualisiert: vor 3 Stunden

Darina Genadieva
Mut, man selbst zu sein
Projektmanagerin für Compliance der Bauaktivitäten in der Region NCE · Vestas Deutschland
Kurzprofil: In der Windbranche ist sie eine Quereinsteigerin. Nach dem Germanistik-Studium an der Universität Sofia mit Deutsch, Russisch, Englisch und Norwegisch, in der Zeit, geprägt durch die Wende in Osteuropa und dem Fall der Berliner Mauer, nimmt sie 1996 die Stelle an der Wirtschaftsuniversität Varna als Dozentin für Wirtschaftsdeutsch an. Zweiter Magisterabschluss in Business Administration folgt parallel zu ihrer wissenschaftlichen Forschungsarbeit in den Bereichen DAF/DAZ und
Fachsprachendidaktik. Sie ist Mitautorin von Lehrwerken für Deutsch im Tourismus und
Wirtschaftsdeutsch sowie eines Deutsch-Bulgarischen Wirtschaftswörterbuchs.
Der Weg in die Energiewirtschaft öffnet sich, als sie als externe Dolmetscherin und Übersetzerin in Arbeitsgruppen für SAP-Implementierung, Einkauf und in den Aufsichtsratssitzungen für E.ON Bulgariaarbeitet. Durch die Zusammenarbeit mit einem der ersten Projektentwickler im Land kommt sie in Kontakt mit Vestas und erstellt die erste Übersetzung des TSA-Vertrags in die bulgarische Sprache.
Als sie 2009 von dem Vestas-Regionalleiter die Einladung bekommt, in der Construction-Abteilung bei Vestas Bulgaria anzufangen und als erste Angestellte die Organisation mit aufzubauen, zögert sie nicht lange. In der Position der Assistenz der Regionaldirektors pflegt sie die Kontakte zu den Büros in Deutschland und Österreich, sorgt für Wissenstransfer, für Implementierung interner Prozesse sowie
für Trainings neu angestellter Kollegen im Drei-Länder-Team: Bulgarien, Rumänien und Ukraine.
Ihre Erfahrung in der Entwicklung neuer Märkte führt sie Anfang Februar 2016 nach Hamburg zu Vestas Deutschland. Im kleinen Business-Development-Team arbeitet sie an einem Markteintrittsprozess und implementiert ihn in den Ländern Osteuropas, in den Balkanländern und in Subsahara-Afrika. Jeder neue Markt ist spezifisch und bringt Herausforderungen für die Errichtung der Windparks. Die Arbeit läuft in grenzüberschreitenden Teams, die Kommunikation erfolgt in mehreren Sprachen.
Aktuell ist sie als Projektmanagerin für Compliance der Bauaktivitäten in der Region NCE zuständig. Sie hat zwei Töchter, 33 und 25 Jahre alt, und lebt in einer Partnerschaft in Hamburg.
INTERVIEW
w.one: Was treibt dich persönlich an?
Kreativität, Neugier, gute Zusammenarbeit im Team, wertvolle Menschen
Neue Sprachen und Kulturen, Reisen, Aquarell-Malen.
w.one: Was war dein Weg zu deinem jetzigen Job/Stelle? Was macht dich besonders stolz?
Mein Vater hat mir 2007 geraten, zum Kap Kaliakra zu fahren und Fotos zu machen, denn die Gegend sollte sich bald ändern. Das ist ein Punkt an der bulgarischen Schwarzmeerküste, von dem sich ein traumhaft schöner Blick über das Meer eröffnet. Und tatsächlich, wenige Monate später stand da der erste Windpark. Vor meinen Augen hat sich die rückständige Agrarregion mit verfallenen Dörfern in kürzester Zeit zum Besseren entwickelt. Eine Weile haben mein Vater und ich an den gleichen Projekten gearbeitet, wir haben zusammen die Energiewende meines Landes mitgestaltet. Dieses Gefühl von Stolz erlebe ich in jedem neuen Land, in dem wir Windparks errichten, Lebensqualität verbessern und saubere Energie liefern.
Genauso stolz bin ich auch als Mutter meiner beiden Mädchen, die nun ehren eigenen Weg als IT-Ingenieurin und Data-Analystin gehen und mit Sprachen arbeiten, die für mich unverständlich bleiben.
w.one: Was waren große Herausforderungen für dich und was konntest du daraus für dich mitnehmen?
Neben dem Wechsel der beruflichen Laufbahn - von dem sicheren Universitätsjob in die freie Wirtschaft - war für mich der Umzug nach Deutschland eine große Herausforderung. Als Alleinerziehende, mit einem Koffer und einem Kind, ohne familiäre oder finanzielle Unterstützung, verdanke ich es vor allem der Hilfe meiner Kollegen und dem festen Arbeitsvertrag, dass ich den Neuanfang in Hamburg meistern konnte.
Die Diagnose Brustkrebs während der Corona-Zeit kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ich hatte großes Glück, dass er frühzeitig bei der Vorsorge entdeckt und ohne Komplikationen behandelt wurde. Dennoch wurden alle meine bisherigen Lebensansichten in Frage gestellt: Was will ich im Leben? Welchen Preis bin ich bereit, dafür zu zahlen? Welche Menschen sind mir wirklich wichtig? Ich musste lernen, die Erschöpfung nach der Therapie, die Ängste und die Zweifel zu überwinden und mehr auf meine eigenen Bedürfnisse zu achten.
Eine Familie zu haben, die über drei Ecken Europas verteilt ist, macht jedes Familientreffen zu einer logistischen Herausforderung. Wir nehmen es dennoch gelassen: Reisen ist heutzutage unkompliziert und seit Januar dieses Jahres ist der Euro die Währung in allen drei Ländern.
w.one: Hast du einen besonderen Tipp, den du mit anderen Frauen teilen möchtest?
Vorsorgeuntersuchungen nicht unterschätzen!
Authentisch sein, emotionale Intelligenz entwickeln, offen sein für andere Menschen, Kulturen und neue Kompetenzen.
Vertrauen in sich selbst aufbauen. Mut haben, Veränderungen zu initiieren und Chancen wahrzunehmen.
Brücken bauen, keine Silos. Gleichzeitig Grenzen setzen, wenn es nötig ist, und auch einmal ein klares „Nein“ sagen können.
Prioritäten setzen - sie verändern sich nun mal in unterschiedlichen Lebensphasen einer Frau - und mit der eigenen Energie bewusst umgehen.
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