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  1. Im Gespräch mit inspirierenden Frauen der Erneuerbaren Energien.

Role Models. Karriere. Inspiration.

Role Model Juli 2025

Autorenbild: women of new energies
women of new energies
30. Juni 2025
4 Min. Lesezeit

Delia Richter   

Einiges bewegt und noch genug Energie für das, was kommt.

Hochengagiert im Ruhestand, vor allem für Gleichstellungsthemen



Kurzprofil: Delia blickt auf eine lange berufliche Laufbahn mit Stationen in Industrie, Finanzwesen, Schifffahrt und der Erneuerbare-Energien-Branche zurück. Nach dem Besuch des Wirtschaftsgymnasiums absolvierte sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei einer Schiffswerft in Bremerhaven und engagierte sich parallel gewerkschaftlich als Jugendsprecherin der IG Metall. Danach studierte sie Betriebswirtschaft in Schleswig-Holstein und war bereits währenddessen politisch in der Frauenbewegung aktiv – ein Engagement, das sie bis heute begleitet.


Beruflich war sie unter anderem als Leiterin für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei einer norddeutschen Regionalbank sowie in einer Reederei tätig, bevor sie vor über 20 Jahren in die New-Energy-Branche zu wpd wechselte. Dort war sie zunächst als Prokuristin im Vertrieb von Windparkbeteiligungen tätig und übernahm später als Geschäftsführerin bei wpd windmanager Verantwortung in der kaufmännischen Betriebsführung von Wind- und Solarparks.


Der Wechsel in die Branche der Erneuerbaren Energien war nicht nur eine berufliche, sondern auch eine persönliche Neuausrichtung. Die Auseinandersetzung mit Themen wie Klimaschutz, Ressourcenschonung und nachhaltiger Energieerzeugung prägt ihren Blick auf gesellschaftliche Verantwortung bis heute.


Delia war von Anfang an bei den women of windenergy aktiv, war bis vor zwei Jahren im Bundesvorstand von w.one und organisierte zahlreiche Round-Table in Bremen und Bremerhaven. Auch nach ihrem Eintritt in den Ruhestand vor knapp drei Jahren engagiert sie sich weiterhin – vor allem zu Fragen der Gleichstellung. Im Mentoring-Programm von w.one bringt sie sich regelmäßig als Mentorin ein.


Ihre branchenübergreifende Erfahrung und ihr langjähriges Engagement verleihen diesem Gespräch nochmal eine besondere Perspektive.





INTERVIEW





w.one: Was treibt dich persönlich an? 


Auch im Ruhestand möchte ich – wenn auch nur in kleinerem Rahmen – weiter an der Energiewende mitarbeiten. Denn ich bin überzeugt: Diese Transformation ist zentral für unsere Zukunft und für die Frage, wie wir künftig zusammenleben wollen. Die politische Entwicklung nach dem jüngsten Regierungswechsel zeigt leider eine deutliche Rückwärtsbewegung. Umso wichtiger ist es, sich für den notwendigen Wandel starkzumachen und andere Menschen zu überzeugen und mitzunehmen.


Dieser Wandel betrifft nicht nur den Ausbau der Erneuerbaren Energien, der alternativlos ist. Es geht ebenso um gesellschaftliche Teilhabe – insbesondere um die selbstbestimmte Beteiligung von Frauen im Berufsleben und in Führungspositionen. Im 21. Jahrhundert sollten wir aus meiner Sicht nicht mehr über Investitionen in die „Mütterrente“ diskutieren, sondern endlich tragfähige Lösungen für eine gute Kinderbetreuung schaffen – damit sich Familie und Beruf nicht ausschließen. Für niemanden.

Das bewegt mich und genau das treibt mich auch weiterhin an. 


w.one: Was macht dich besonders stolz? 


„Stolz“ ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Ich würde eher sagen: Ich bin zufrieden. Zufrieden damit, dass ich meinen Weg gehen konnte, ohne mich zu sehr zu verbiegen – mit Ecken und Kanten, aber immer mit Haltung. Das war nicht immer bequem, aber für mich stimmig. Ich hatte das große Glück, mit engagierten Menschen in guten Teams zu arbeiten, gemeinsam Herausforderungen anzupacken und Lösungen zu finden.

Auch Rückschläge gehörten dazu und ich habe sie nie als Scheitern gesehen, sondern als Teil des Weges. Dabei war mein privates Umfeld stets eine wichtige Stütze, dafür bin ich sehr dankbar.


Was mich besonders freut: Aus einigen beruflichen Kontakten sind echte Freundschaften entstanden, die bis heute Bestand haben und mein Leben bereichern. Wenn ich zurückblicke, dann nicht mit Stolz im klassischen Sinn, sondern mit Dankbarkeit für einen Weg, der geprägt war von Klarheit, Begegnung – und Sinn.


w.one: Was waren große Herausforderungen für dich und was konntest du daraus für dich mitnehmen? 


Am Anfang dachte ich: Mit einer guten Ausbildung und viel Engagement steht mir die Welt offen. Die Realität war dann teilweise etwas ernüchternder. In Bewerbungsgesprächen wurde ich nicht nur nach Qualifikationen gefragt, sondern vorrangig nach meiner Familienplanung – ob ich einen Partner habe oder demnächst heiraten wolle. Bei einer Bewerbung auf eine Führungsposition in einem großen mittelständischen Unternehmen wurde ich gefragt, ob mein Mann von meiner Bewerbung wüsste und damit einverstanden sei.

Solche Fragen wären heute zum Glück nicht mehr denkbar aber sie zeigen, wie tief manche Hürden damals verankert waren und es teilweise auf anderer Ebene auch heute noch sind. Die Herausforderung bestand für mich immer darin, das Ganze nicht zu persönlich zu nehmen und trotzdem dranzubleiben. Rückschläge habe ich mit der Zeit als Teil des Prozesses akzeptiert. Und ja, manchmal geht eine Tür zu und hinter der nächsten wartet eine Aufgabe, die noch interessanter ist.

Klingt banal, ist aber oft genauso.


Was ich daraus mitgenommen habe? Veränderung braucht Auseinandersetzung und die

Bereitschaft, Überzeugungen zu vertreten, zu überdenken und auch mal zu ändern. Wichtig ist für mich, Haltung zu zeigen und in verlässliche Netzwerke, wie w.one, zu investieren – beruflich wie privat. Sich einzumischen, auch wenn es unbequem wird, gehört dazu. Und ja, leicht war das nicht immer. Aber ohne Reibung entsteht eben auch keine Bewegung.


Ich habe einiges erlebt und freue mich darauf, mich auch weiterhin dort einzubringen, wo es etwas zu bewegen gibt.


Ganz loslassen werde ich das Gestalten vermutlich nie – aber vielleicht ist das ja

genau richtig so.





Mehr über Delia Richter:

LinkedIn-Profil: Delia Richter

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